Wenn der erste Brei auf dem Tisch steht, fragen sich viele Eltern, ob jetzt auch Wasser in den Speiseplan gehört. Die kurze Antwort lautet: Zusätzliche Flüssigkeit wird meist erst gebraucht, wenn die dritte Breimahlzeit eingeführt ist. Bis dahin erklären sich kleine Schlucke eher als Trinkübung, während Muttermilch oder Säuglingsmilch den Flüssigkeitsbedarf decken.
Die wichtigsten Orientierungspunkte für Wasser und Beikost
- Ab der dritten Breimahlzeit braucht ein gesundes Baby normalerweise zusätzlich Wasser.
- Schon zum ersten Brei darf es wenige Schlucke aus einem offenen Becher üben.
- Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung bleiben zunächst ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.
- Am besten geeignet ist Leitungswasser, sofern die Hausinstallation unauffällig ist.
- Saft, gesüßte Getränke und Dauernuckeln gehören nicht in den Babyalltag.

Ab wann Babys zusätzlich Wasser brauchen
Nach den deutschen Empfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben benötigt ein gesundes Baby normalerweise dann zusätzliche Getränke, wenn die dritte Milchmahlzeit durch Beikost ersetzt wurde. Das ist je nach Tempo der Beikosteinführung häufig im Alter von etwa 7 bis 9 Monaten der Fall.
Beginnt Ihr Kind gerade mit dem ersten Gemüse- oder Getreidebrei, muss es deshalb nicht sofort eine bestimmte Menge Wasser trinken. Muttermilch oder Säuglingsmilch liefern weiterhin ausreichend Flüssigkeit. Auch nach dem zweiten Brei ist zusätzliches Trinken oft noch nicht zwingend erforderlich.
Ich halte es trotzdem für sinnvoll, von Anfang an ein paar Tropfen oder kleine Schlucke anzubieten. Dabei geht es zunächst nicht ums Durstlöschen, sondern um das Erlernen einer neuen Trinktechnik. Viele Babys spucken das Wasser anfangs wieder aus oder spielen mit dem Becher. Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas nicht funktioniert.
Warum sich der Flüssigkeitsbedarf mit der Beikost verändert
Milch besteht zu einem großen Teil aus Wasser. Wenn im Tagesablauf nach und nach mehrere Milchmahlzeiten durch Brei oder Fingerfood ersetzt werden, fällt diese Flüssigkeitsquelle teilweise weg. Gleichzeitig enthält feste Nahrung deutlich weniger Wasser als Muttermilch oder Säuglingsnahrung.
Besonders der dritte Brei macht den Unterschied. Jetzt bekommt das Baby über die Mahlzeiten zwar Flüssigkeit, aber meist nicht mehr genug, um den gesamten Bedarf abzudecken. Wasser wird zum passenden Ausgleich, ohne den Körper zusätzlich mit Zucker oder unnötigen Kalorien zu belasten.
Eine feste Trinkmenge in Millilitern lässt sich für jedes Baby nicht sinnvoll vorschreiben. Wie viel tatsächlich getrunken wird, hängt unter anderem von der Menge der Beikost, der verbleibenden Milch, der Raumtemperatur und der Aktivität des Kindes ab. Entscheidend ist, regelmäßig Wasser anzubieten und nicht zum Trinken zu drängen.
So lernt Ihr Baby entspannt aus dem Becher zu trinken
Am einfachsten biete ich Wasser direkt zu einer Mahlzeit an. Ein kleiner, stabiler Becher mit wenigen Schlucken reicht völlig aus. Das Baby sollte dabei aufrecht und gut gestützt sitzen, damit es sich auf das Trinken konzentrieren kann.
- Füllen Sie zunächst nur einen kleinen Schluck Wasser ein.
- Führen Sie den Becherrand vorsichtig an die Unterlippe.
- Lassen Sie das Kind selbst den Mund öffnen und das Tempo bestimmen.
- Wischen Sie verschüttetes Wasser einfach weg und bleiben Sie gelassen.
- Bieten Sie den Becher regelmäßig an, ohne daraus eine Pflicht zu machen.
Ein offener Becher wirkt am Anfang vielleicht unpraktisch, fördert aber eine gute Trinkbewegung. Trinklernbecher mit Ventil können unterwegs hilfreich sein, ersetzen das Üben aus einem normalen Becher jedoch nicht vollständig. Aus meiner Sicht wird der Aufwand häufig überschätzt: Ein paar nasse Lätzchen gehören zum Lernprozess und sind meist schneller vorbei, als Eltern erwarten.
Das Wasser sollte nicht die Milch verdrängen. Gerade in der ersten Beikostzeit ist es ein häufiger Fehler, aus Sorge vor zu wenig Flüssigkeit ständig Wasser anzubieten. Ein Baby kann dadurch weniger Milch trinken, obwohl es diese weiterhin für Energie und Nährstoffe braucht.
Welches Wasser für Babys geeignet ist
In Deutschland ist gewöhnliches Leitungswasser in der Regel eine gute Wahl. Lassen Sie es nach längerer Standzeit kurz laufen, bis kaltes Wasser aus der Leitung kommt. Wasser aus einem Hausbrunnen sollte nur verwendet werden, wenn die Qualität regelmäßig geprüft wurde.
Spezielles Babywasser ist für das Trinken normalerweise nicht notwendig. Auch stilles Mineralwasser kann geeignet sein, sollte aber möglichst natriumarm sein. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gelten zusätzlich die Angaben auf der Verpackung und die Empfehlungen des Herstellers.
| Getränk | Einordnung |
|---|---|
| Leitungswasser | Für die meisten Familien die einfache und geeignete Wahl |
| Stilles Mineralwasser | Auf eine geeignete Zusammensetzung und geringe Mineralisierung achten |
| Ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee | Gelegentlich möglich, aber im Alltag nicht notwendiger als Wasser |
| Saft und Schorle | Nicht als Durstlöscher für Babys empfohlen |
| Gesüßte Getränke | Vermeiden, da sie Zähne und Geschmacksvorlieben ungünstig beeinflussen |
Auch Tee ist kein Muss. Manche Eltern greifen schnell zu Fencheltee, wenn ihr Baby unruhig wirkt. Ich würde ihn nicht routinemäßig einsetzen, sondern bei Wasser bleiben und Beschwerden wie starke Bauchschmerzen oder anhaltendes Weinen ärztlich abklären lassen.
Was bei Hitze, Fieber oder Durchfall gilt
An heißen Tagen, bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall kann der Flüssigkeitsbedarf steigen. Dann reicht die übliche Orientierung an den Mahlzeiten nicht immer aus. Bieten Sie häufiger Milch und, wenn Ihr Baby bereits Beikost erhält, zusätzlich kleine Mengen Wasser an.
Bei einem jungen Säugling sollte man Krankheit oder große Hitze nicht einfach mit Wasser ausgleichen. Zusätzliche Flüssigkeit ersetzt keine medizinische Einschätzung, wenn das Kind deutlich weniger trinkt, wiederholt erbricht oder Durchfall hat.
Achten Sie auf Warnzeichen wie deutlich weniger nasse Windeln, einen trockenen Mund, fehlende Tränen, ungewöhnliche Müdigkeit oder eine eingesunkene Fontanelle. Bei solchen Anzeichen, bei schlechtem Allgemeinzustand oder bei Fieber in den ersten Lebensmonaten sollte die kinderärztliche Praxis beziehungsweise der ärztliche Bereitschaftsdienst kontaktiert werden.
Die Milch bleibt länger wichtig, als viele denken
Mit dem ersten Wasserbecher beginnt nicht automatisch das Abstillen. Muttermilch darf nach Beginn der Beikost weiterhin nach Bedarf angeboten werden. Auch Säuglingsanfangsnahrung bleibt so lange Bestandteil des Tages, wie sie gebraucht wird.
Wasser ist zunächst eine Ergänzung und kein Ersatz für eine Milchmahlzeit. Diese Unterscheidung nimmt viel Druck aus der Situation. Es muss nicht sofort eine bestimmte Trinkmenge erreicht werden, solange das Baby gut gedeiht, ausreichend nasse Windeln hat und Milch sowie Beikost passend zu seinem Entwicklungsstand erhält.
Mein praktischer Rat lautet deshalb: Starten Sie mit kleinen Schlucken zum ersten Brei, behalten Sie Milch als Grundlage bei und erhöhen Sie das Wasserangebot allmählich, sobald mehrere Breimahlzeiten eingeführt sind. So entwickelt sich das Trinken Schritt für Schritt und ohne unnötigen Stress.
Ein kleiner Becher und viel Geduld reichen meistens aus
Die wichtigste Orientierung ist nicht ein bestimmtes Lebensmonat-Datum, sondern der Aufbau der Beikost. Ab der dritten Breimahlzeit braucht ein gesundes Baby in der Regel zusätzliche Flüssigkeit, am besten Wasser. Früher darf es bereits üben, ohne dass es große Mengen trinken muss.
Wenn Ihr Kind den Becher zunächst ablehnt, probieren Sie es bei einer anderen Mahlzeit erneut. Ruhiges Vorbild, kleine Portionen und regelmäßige Gelegenheiten bringen meist mehr als Druck oder ständige Wechsel zwischen verschiedenen Trinkgefäßen.