Die Geburt rückt näher, aber beim Gedanken ans Stillen bleibt ein klares Nein oder zumindest ein ungutes Gefühl. Die Entscheidung muss nicht in der Schwangerschaft endgültig feststehen, trotzdem hilft es, den eigenen Wunsch rechtzeitig mit der Hebamme, der Frauenarztpraxis und der Geburtsklinik zu besprechen. Hier findest du konkrete Zeitpunkte, passende Formulierungen und wichtige Hinweise für die ersten Tage nach der Geburt.
Eine frühe Mitteilung erleichtert die Versorgung nach der Geburt
- Kein fester Termin: Du musst deinen Wunsch nicht bis zu einer bestimmten Schwangerschaftswoche mitteilen.
- Am besten vorher: Sprich das Thema beim Geburtsanmeldegespräch oder spätestens bei der Aufnahme in der Klinik an.
- Klare Worte helfen: Sage ausdrücklich, ob du gar nicht stillen, teilweise stillen oder zunächst offen bleiben möchtest.
- Pre-Nahrung passt ab Geburt: Säuglingsanfangsnahrung kann gesunde reif geborene Babys von Anfang an ernähren.
- Milcheinschuss beachten: Auch ohne Stillen kann sich die Brust in den ersten Tagen füllen und spannen.

Wann muss ich sagen, dass ich nicht stillen will?
Die kurze Antwort lautet: so früh, wie es für dich angenehm ist, spätestens aber bei der Aufnahme in der Geburtsklinik. Eine bestimmte gesetzliche Frist oder eine vorgeschriebene Schwangerschaftswoche gibt es dafür nicht. Du entscheidest selbst, ob du dein Kind stillen möchtest. Das gilt auch dann, wenn medizinisches Personal die Vorteile des Stillens erklärt.
Ideal ist ein erstes Gespräch bereits bei der Geburtsanmeldung, häufig zwischen der 32. und 36. Schwangerschaftswoche. Dort kannst du fragen, wie die Klinik mit geplanter Flaschenernährung umgeht, welche Anfangsnahrung angeboten wird und wie die Brust nach der Geburt unterstützt wird. Bei einer ambulanten Geburt oder Hausgeburt solltest du deine Hebamme ebenfalls frühzeitig informieren.
Bei der Aufnahme genügt ein klarer Satz wie: „Ich möchte mein Baby nicht stillen und wünsche mir Informationen zur Ernährung mit Säuglingsanfangsnahrung.“ Bitte wiederhole deinen Wunsch ruhig noch einmal im Kreißsaal und auf der Wochenbettstation. Ein Geburtsplan kann hilfreich sein, ersetzt das persönliche Gespräch aber nicht, weil sich das betreuende Team während einer Schicht ändern kann.
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Wenn die Geburt früher beginnt
Auch wenn du ungeplant oder in einer anderen Klinik zur Geburt kommst, ist es nicht zu spät. Sage dem Team bei der Aufnahme, dass du nicht stillen möchtest, und bitte darum, diesen Wunsch in deiner Akte zu vermerken. Eine Begleitperson kann die Information zusätzlich weitergeben, falls du nach der Geburt erschöpft bist oder medizinisch versorgt werden musst.
Welche Formulierung hilft im Gespräch?
Viele Frauen vermeiden eine klare Aussage, weil sie mit Diskussionen rechnen. Das ist verständlich, führt aber manchmal dazu, dass das Team von einem Stillwunsch ausgeht. Ich halte deshalb eine kurze und eindeutige Formulierung für am hilfreichsten.
- „Ich möchte von Anfang an nicht stillen.“
- „Bitte geben Sie meinem Baby Säuglingsanfangsnahrung und legen Sie es nicht ungefragt an.“
- „Ich möchte mein Baby im Hautkontakt halten, aber nicht an der Brust anlegen.“
- „Ich bin noch unsicher und möchte zunächst Informationen zu beiden Möglichkeiten.“
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen nicht stillen, teilweise stillen und noch nicht entschieden sein. Diese Varianten haben unterschiedliche Abläufe. Wer nur gelegentlich stillen oder Kolostrum anbieten möchte, sollte das genauso sagen, damit das Team nicht versehentlich von einer vollständigen Flaschenernährung ausgeht.
Du musst deine Gründe nicht rechtfertigen. Ob körperliche Beschwerden, psychische Belastung, frühere traumatische Erfahrungen, Medikamente, berufliche Überlegungen oder einfach eine persönliche Entscheidung dahinterstehen, bleibt dir überlassen. Medizinische Fragen darfst du selbstverständlich besprechen, aber eine ausführliche Begründung ist keine Voraussetzung, damit dein Wunsch respektiert wird.
Was wird nach der Geburt praktisch anders?
Auch wenn du nicht stillen möchtest, kannst du dein Baby direkt nach der Geburt im Hautkontakt halten, kuscheln und kennenlernen. Bonding hängt nicht davon ab, ob das Baby an der Brust trinkt. Nähe entsteht durch Hautkontakt, Blickkontakt, Stimme und verlässliche Reaktionen auf die Signale deines Kindes.
Für ein gesundes, reif geborenes Baby kommt in der Regel Säuglingsanfangsnahrung infrage. Pre-Nahrung oder eine geeignete 1-Nahrung kann ab der Geburt verwendet werden. Eine spezielle Nahrung, etwa bei einer Erkrankung oder besonderen Unverträglichkeit, sollte nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt eingesetzt werden.
Bitte bereite Pulvermilch nicht vorsorglich mit größeren Mengen vor. Sie sollte frisch nach Packungsangabe zubereitet werden. Reste gehören weg und sollten weder aufbewahrt noch erneut erwärmt werden. Im Krankenhaus zeigt dir das Personal, wie dein Baby gefüttert wird und woran du erkennst, ob es ausreichend trinkt.
Die ersten Fläschchen können auch von der Partnerin, dem Partner oder einer anderen vertrauten Person gegeben werden. Das kann im Alltag entlasten, bedeutet aber nicht, dass du die wichtigste Bezugsperson verlierst. Aus meiner Sicht ist entscheidender, wer aufmerksam und zuverlässig auf das Baby reagiert, nicht aus welcher Quelle die Nahrung kommt.
Wie lässt sich der Milcheinschuss abmildern?
Auch wenn du nicht stillst, kann sich die Brust in den ersten Tagen nach der Geburt füllen. Der sogenannte Milcheinschuss tritt häufig zwischen dem zweiten und fünften Tag auf. Die Brust kann dann warm, gespannt oder empfindlich sein. Das ist unangenehm, aber nicht automatisch ein Zeichen für eine Komplikation.
Sprich schon vor der Geburt mit deiner Hebamme oder der Ärztin darüber, wie die Milchbildung bei dir möglichst sanft zurückgeht. Manche Frauen erhalten nach ärztlicher Prüfung ein Medikament zur Hemmung der Milchbildung. Cabergolin sollte niemals eigenständig eingenommen werden, da Vorerkrankungen, Blutdruck und andere Medikamente berücksichtigt werden müssen.
Ohne Medikamente helfen meist einfache Maßnahmen. Vermeide unnötige Stimulation der Brust, trage einen gut sitzenden, nicht einschneidenden BH und kühle die Brust bei Spannungsgefühl. Wenn der Druck sehr stark wird, kann vorsichtig eine kleine Menge Milch ausgestrichen werden. Ziel ist nur die Entlastung, nicht das vollständige Leeren der Brust, weil dies die Milchbildung erneut anregen kann.
Von sehr engem Abbinden, kräftigem Massieren oder häufigem Abpumpen rate ich ab. Diese Methoden können Schmerzen verstärken oder die Milchproduktion weiter fördern. Bei zunehmender Rötung, starken Schmerzen, ausgeprägtem Krankheitsgefühl oder Fieber ab 38,5 °C solltest du noch am selben Tag deine Hebamme oder eine Ärztin beziehungsweise einen Arzt kontaktieren.
Wenn die Entscheidung noch nicht ganz feststeht
Du darfst deine Meinung ändern. Eine Entscheidung gegen das Stillen in der Schwangerschaft ist keine Verpflichtung für alle folgenden Wochen. Ebenso musst du nach einem ersten Anlegen nicht dauerhaft weiterstillen. Entscheidend ist, dass du dem Team möglichst schnell sagst, was sich geändert hat.
Wenn du zunächst Flaschennahrung geben und später stillen möchtest, lässt du dich am besten früh von einer Hebamme oder qualifizierten Stillberaterin begleiten. Umgekehrt sollte ein vollständiger Stillstopp meist schrittweise geplant werden, damit die Brust nicht abrupt übervoll wird.
Beim Teilstillen entstehen oft praktische Fragen zur Ernährung der Mutter. Eine besondere Verbotsliste ist normalerweise nicht nötig. Wenn du dazu unsicher bist, findest du hilfreiche Informationen zu Kichererbsen in der Stillzeit.
Auch die Sorge, jede Mahlzeit könne unmittelbar und unverändert in der Muttermilch landen, führt häufig zu unnötigem Stress. Wie der Übergang von Nahrung in Muttermilch abläuft, hängt vom jeweiligen Stoff ab und ist nicht mit einer direkten Übertragung der kompletten Mahlzeit gleichzusetzen.
Was dir die ersten Tage leichter machen kann
Notiere deinen Ernährungswunsch vor der Geburt in deiner Kliniktasche oder im Geburtsplan und besprich ihn mit deiner Begleitperson. So musst du ihn auch in einer anstrengenden Situation nicht mehrfach allein erklären. Ein klarer Plan und trotzdem etwas Flexibilität sind meist hilfreicher als der Anspruch, jede Einzelheit vorher festzulegen.
Bitte das Klinikteam außerdem um eine kurze Einweisung in die Flaschenernährung, um Hinweise zu Hunger- und Sättigungssignalen sowie um einen Plan für die Versorgung zu Hause. Nach der Entlassung bleiben Hebamme, Frauenarztpraxis und Kinderarztpraxis wichtige Anlaufstellen. Du musst nicht stillen, um eine fürsorgliche, sichere und enge Beziehung zu deinem Baby aufzubauen.