Plötzlich rollt sich das Baby zur Seite, greift gezielt nach dem Spielzeug und antwortet mit einer ganzen Reihe neuer Laute. Mit 23 Wochen ist vieles in Bewegung, trotzdem entwickelt sich jedes Kind in seinem eigenen Tempo. Ich zeige, welche motorischen, sprachlichen und sozialen Fortschritte jetzt typisch sind, worauf es bei Beikost, Schlaf und Sicherheit ankommt und wann eine Rücksprache mit der Kinderarztpraxis sinnvoll ist.
Mit 23 Wochen wird aus Beobachten zunehmend aktives Entdecken
- Entwicklung: Viele Babys greifen gezielt, drehen sich und stützen sich in Bauchlage kräftig ab.
- Unterschiede: Meilensteine sind Zeitfenster, keine Prüfung zu einem festen Stichtag.
- Ernährung: Milch bleibt wichtig, Beikost kann bei erkennbarer Reife zwischen 17 und 26 Wochen beginnen.
- Schlaf: Nächtliches Aufwachen ist weiterhin normal und sagt wenig über die Entwicklung aus.
- Sicherheit: Durch Rollen und Greifen braucht die Umgebung jetzt deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Was ein 23 Wochen altes Baby typischerweise kann
23 Wochen entsprechen ungefähr dem fünften bis sechsten Lebensmonat. In dieser Phase werden Bewegungen gezielter, die Hände geschickter und die Kommunikation lebhafter. Entscheidend ist der persönliche Entwicklungsverlauf, nicht der Vergleich mit dem Baby aus der Krabbelgruppe.
Bewegung wird zum Forschungsprojekt
In Bauchlage stemmt sich das Baby häufig auf die Unterarme oder bereits auf die Hände und hebt den Oberkörper an. Manche Kinder rollen vom Bauch auf den Rücken, andere drehen sich zuerst vom Rücken auf die Seite. Auch kleine Drehungen um die eigene Körperachse sind jetzt möglich.
Beim Sitzen hält das Baby den Kopf meist schon sicher und kann mit Unterstützung kurz aufrecht bleiben. Freies Sitzen muss mit 23 Wochen noch nicht funktionieren. Ich rate davon ab, das Kind mit Kissen in eine Sitzposition zu setzen, wenn es diese noch nicht selbst einnehmen kann.
Greifen, sehen, hören und „sprechen“
Das Baby verfolgt interessante Gegenstände mit den Augen, greift danach und führt sie fast zuverlässig zum Mund. Es untersucht Spielzeug durch Schütteln, Drehen und Fallenlassen. Genau dieses scheinbar endlose Wiederholen ist frühes Lernen über Ursache und Wirkung.
Auch die Lautbildung wird abwechslungsreicher. Gurren, Quietschen, Brabbeln und Lachen sind wichtige Vorstufen der Sprache. Viele Babys reagieren auf ihren Namen oder auf vertraute Stimmen und wenden sich bewusst den Menschen zu, die mit ihnen sprechen.
| Entwicklungsbereich | Häufige Beobachtung | Was Eltern tun können |
|---|---|---|
| Grobmotorik | Abstützen, Drehen, Rollen oder kräftiges Strampeln | Freie Bewegung auf einer sicheren Matte ermöglichen |
| Feinmotorik | Gezieltes Greifen und Festhalten | Griffige, schadstoffarme Spielsachen in Reichweite legen |
| Wahrnehmung | Interesse an Farben, Geräuschen und Gesichtern | Benennen, zeigen und gemeinsam beobachten |
| Kommunikation | Lachen, Brabbeln und Antworten auf Stimmen | Laute aufnehmen und in kurzen Sätzen zurücksprechen |
Wenn ein Kind einen dieser Schritte noch nicht zeigt, ist das zunächst kein Warnsignal. Ein Fortschritt über mehrere Wochen zählt mehr als eine einzelne Fähigkeit. Bei Frühgeborenen wird die Entwicklung meist nach dem korrigierten Alter beurteilt, also nach dem Alter, das seit dem errechneten Geburtstermin vergangen ist.
Wachstum lässt sich besser an der Kurve als an Einzelzahlen erkennen
Viele Eltern möchten wissen, wie viel ein Baby in der 23. Woche wiegen oder wie groß es sein muss. Dafür gibt es jedoch keinen einzelnen passenden Wert. Gewicht, Körperlänge und Kopfumfang hängen unter anderem von Geburtsgewicht, genetischer Veranlagung, Ernährung und Geschlecht ab.
Ich schaue bei der Beurteilung deshalb nicht auf eine isolierte Zahl, sondern auf die Entwicklung über mehrere Messungen. Eine gleichmäßig verlaufende Wachstumskurve ist meist aussagekräftiger als die Frage, ob ein Baby genau einem Durchschnittswert entspricht.
| Beobachtung | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Regelmäßige nasse Windeln | Sie geben einen groben Hinweis darauf, dass ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird. |
| Wacher, interessierter Eindruck | Ein gesundes Baby reagiert normalerweise auf Stimmen, Gesichter und seine Umgebung. |
| Weiterentwicklung der Fähigkeiten | Neue Bewegungen und Laute zeigen den individuellen Fortschritt besser als ein Vergleich mit anderen Kindern. |
| Verlauf im U-Heft | Die Kinderarztpraxis kann Gewicht, Länge und Kopfumfang im zeitlichen Verlauf einordnen. |
Vorübergehende Schwankungen sind normal, etwa während eines Infekts oder wenn das Baby gerade besonders viel an seiner Motorik arbeitet. Wenn es über längere Zeit schlecht trinkt, deutlich weniger nasse Windeln hat oder die Gewichtszunahme ausbleibt, sollte die Entwicklung ärztlich geprüft werden.
Beikost und Milch im fünften Lebensmonat
Mit 23 Wochen liegt ein Baby genau in dem Zeitraum, in dem Beikost beginnen kann. Die Empfehlung für reif geborene Säuglinge lautet, zwischen dem Beginn des 5. und dem Beginn des 7. Lebensmonats zu starten, also frühestens nach 17 Wochen und spätestens mit 26 Wochen.
Das Alter allein entscheidet aber nicht. Gute Reifezeichen sind, dass das Baby den Kopf stabil halten kann, mit Unterstützung aufrecht sitzt, Interesse am Essen zeigt und Nahrung nicht mehr automatisch mit der Zunge aus dem Mund schiebt. Neugier auf den Teller reicht für sich genommen noch nicht aus.
So gelingt der erste Versuch
Ein ruhiger Zeitpunkt am Tag ist meist besser als der große Hunger am Abend. Ich würde mit wenigen Teelöffeln eines fein pürierten Gemüsebreis beginnen und die Milchmahlzeit zunächst weiterhin anbieten. Das Ziel der ersten Versuche ist nicht, eine komplette Portion zu ersetzen, sondern das Kennenlernen von Geschmack und Konsistenz.
Muttermilch oder Säuglingsanfangsnahrung bleibt weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Wasser wird in kleinen Mengen interessant, sobald mehrere Beikostmahlzeiten etabliert sind. Saft, Honig, Zucker und zusätzliches Salz gehören nicht in den Speiseplan; ganze Nüsse und andere harte Stücke sind wegen der Verschluckungsgefahr ungeeignet.
Allergene Lebensmittel müssen nicht grundsätzlich lange hinausgezögert werden. Bei ausgeprägter Neurodermitis, bekannten Allergien in der Familie oder Unsicherheit über die Einführung einzelner Lebensmittel ist eine individuelle Beratung in der Kinderarztpraxis sinnvoll. Nach einer neuen Speise sollte beobachtet werden, ob Hautausschlag, Erbrechen, Atemprobleme oder eine ungewöhnliche Schwellung auftreten.
Schlaf und Alltag brauchen jetzt mehr Sicherheit
In diesem Alter schlafen manche Babys mehrere Stunden am Stück, andere wachen weiterhin häufig auf. Zahnen, neue Bewegungsfähigkeiten, Hunger und Entwicklungsschübe können den Rhythmus vorübergehend verändern. Durchschlafen ist kein verlässlicher Entwicklungsmaßstab und muss nicht jeden Monat besser werden.
Für die Nacht bleibt die Rückenlage die sicherste Schlafposition. Ein eigenes Bett im Elternschlafzimmer, eine feste und ebene Matratze sowie ein passender Schlafsack sind sinnvoll. Kissen, Nestchen, Felle, dicke Decken und eine Mütze im Bett sollten vermieden werden. Diese Empfehlungen werden auch von kindergesundheit-info.de und den Fachgesellschaften für sicheren Babyschlaf getragen.
Tagsüber darf das Baby unter Aufsicht regelmäßig in Bauchlage spielen. Das stärkt Nacken, Rücken und Schultern. Sobald es sich dreht oder nach Dingen greift, gehören Wickeltisch, Sofa und Bett zu den Orten, an denen es keinen Moment unbeaufsichtigt bleiben sollte.
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Spielideen ohne Förderstress
- Spielzeug leicht außerhalb der Reichweite platzieren, damit das Baby sich streckt und dreht.
- Gemeinsam auf einer Matte liegen und Bewegungen durch Blickkontakt oder Stimme begleiten.
- Unterschiedliche sichere Materialien anbieten, zum Beispiel einen Stoffball oder einen großen Beißring.
- Lieder singen, Pausen machen und auf die Laute des Babys antworten.
- Den Kinderwagen oder die Babyschale nicht als dauerhaften Aufenthaltsort nutzen, wenn freie Bewegung möglich ist.
Teures Fördermaterial ist dafür nicht nötig. Aus meiner Sicht bringen ein sicherer Boden, ein aufmerksamer Erwachsener und ausreichend ungestörte Spielzeit deutlich mehr als ein überfülltes Programm mit ständig wechselnden Reizen.
U5 und Warnzeichen richtig einordnen
Die U5 findet in Deutschland zwischen dem 6. und 7. Lebensmonat statt. Dabei werden unter anderem körperliche Entwicklung, Beweglichkeit, Sehen, Zahnentwicklung und Ernährung besprochen. Wenn Ihr Baby 23 Wochen alt ist, lohnt es sich, den Termin rechtzeitig zu vereinbaren und Fragen zu Schlaf, Beikost oder Bewegungen im Gelben Heft zu notieren.
Eine ärztliche Einschätzung ist sinnvoll, wenn Fähigkeiten wieder verloren gehen, der Kopf weiterhin deutlich instabil ist, das Baby kaum auf Stimmen oder Geräusche reagiert, eine Körperseite auffällig wenig benutzt wird oder es ungewöhnlich schlaff beziehungsweise dauerhaft steif wirkt. Auch anhaltende Trinkprobleme und eine ausbleibende Gewichtszunahme gehören abgeklärt.
Sofortige Hilfe ist nötig bei Atemnot, bläulicher Haut, Krampfanfällen, starker Teilnahmslosigkeit oder deutlichen Zeichen von Austrocknung. Bei Fieber und anderen akuten Beschwerden richtet sich das Vorgehen nach dem Allgemeinzustand und dem Rat der behandelnden Praxis.
Der beste Maßstab für diese Entwicklungswoche
Mit 23 Wochen muss ein Baby weder sitzen noch krabbeln noch nachts durchschlafen. Entscheidend ist, dass es sich allmählich weiterentwickelt, auf seine Umgebung reagiert und sich in seinem eigenen Tempo neue Bewegungs- und Kommunikationsmöglichkeiten erschließt.
Geben Sie ihm sichere Freiräume, ausreichend Nähe und Zeit für Wiederholungen. Aufmerksames Beobachten ist oft die wertvollste Förderung, weil Sie dadurch erkennen, was Ihr Baby gerade übt und welche Unterstützung es wirklich braucht.