Eine Tasse Tee mit Honig, ein Honigbrot zum Frühstück oder ein Hausmittel bei Halskratzen gehören für viele Mütter zur Stillzeit dazu. Die gute Nachricht lautet: Stillende dürfen Honig essen. Entscheidend ist, dass das Baby selbst keinen Honig bekommt und auch nicht über Schnuller, Brustwarze oder Löffel damit in Kontakt kommt.
Honig ist für die Mutter erlaubt, für Babys im ersten Lebensjahr nicht
- Erlaubt: Die Mutter kann während der Stillzeit Honig essen und trinken.
- Keine Stillpause: Nach Honigverzehr muss Muttermilch weder abgepumpt noch verworfen werden.
- Wichtig: Babys unter 12 Monaten dürfen keinen reinen Honig erhalten.
- Grund: Honig kann Sporen von Clostridium botulinum enthalten und Säuglingsbotulismus auslösen.
- Bei Versehen: Nach einer kleinen Menge Honig sollte das Kind ärztlich beraten werden, besonders bei Beschwerden.
Darf ich Honig beim Stillen essen?
Ja. Ich sehe keinen Grund, Honig in der Stillzeit grundsätzlich vom Speiseplan zu streichen. Die möglichen Sporen im Honig gelangen nicht einfach über den Verdauungstrakt der Mutter in die Muttermilch. Deshalb ist der Verzehr durch die Mutter kein Grund, das Stillen zu unterbrechen.
Das gilt auch für Honig im Tee, im Müsli, auf Brot oder als Bestandteil eines Desserts. Eine besondere Honigsorte ist nicht nötig. Ob Blütenhonig, Waldhonig oder Bio-Honig macht für diese Frage keinen entscheidenden Unterschied, denn auch hochwertiger Honig kann natürlicherweise Sporen enthalten.
Ich würde lediglich die Menge im Blick behalten. Honig besteht überwiegend aus Zucker und ist daher eher ein Genussmittel als ein wichtiger Nährstofflieferant. Ein Teelöffel im Tee oder gelegentlich ein Honigbrot passt gut in eine ausgewogene Ernährung, ersetzt aber keine nährstoffreichen Lebensmittel.
Warum Honig für das Baby trotzdem tabu ist
Das Verbot richtet sich nicht gegen die stillende Mutter, sondern gegen die direkte Gabe an das Kind. Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Bei Säuglingen ist die Darmflora noch nicht vollständig entwickelt, sodass sich die Bakterien im Darm vermehren und ein Nervengift bilden können.
Diese seltene Erkrankung heißt Säuglingsbotulismus. Das Gift kann die Muskulatur lähmen und im schlimmsten Fall auch die Atmung beeinträchtigen. Das BfR empfiehlt deshalb, Kindern unter einem Jahr keinen Honig zu geben, auch nicht zum Süßen von Tee oder Brei.
| Situation | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Mutter isst Honig | Unproblematisch | Es ist keine Übertragung der Honigsporen über die Muttermilch zu erwarten. |
| Baby bekommt reinen Honig | Bis zum 12. Lebensmonat vermeiden | Risiko für Säuglingsbotulismus |
| Honig in industriell hergestellter Säuglingsnahrung | Nach Herstellerangaben zulässig | Bei der Herstellung werden mögliche Keime ausreichend reduziert. |
| Honig auf Schnuller oder Brustwarze | Nicht verwenden | Das Baby kann den Honig direkt aufnehmen. |
Auch Erhitzen in der heimischen Küche sollte nicht als Freibrief verstanden werden. Fertigprodukte werden unter kontrollierten Bedingungen verarbeitet. Ein selbst gekochter Brei oder Tee mit Honig ist für ein Baby im ersten Lebensjahr dagegen keine gute Idee.
Was gilt bei Honig an Brustwarze, Schnuller oder Löffel?
Manchmal wird Honig als altes Hausmittel empfohlen, wenn ein Baby schlecht saugt oder sich beruhigen soll. Davon rate ich klar ab. Der Honig landet dabei direkt im Mund des Säuglings, und genau diese Aufnahme soll im ersten Lebensjahr verhindert werden.
Nach dem Essen eines Honigbrots muss die Mutter nicht duschen oder die Brust abwaschen. Wenn jedoch Honig an den Fingern klebt, sollte sie sich vor dem Berühren des Schnullers, des Fläschchens oder des Babymunds die Hände waschen. So lässt sich eine unnötige direkte Aufnahme einfach vermeiden.
Falls Honig auf die Brustwarze gelangt ist, genügt es, ihn mit Wasser zu entfernen, bevor das Baby wieder angelegt wird. Eine Stillpause ist dafür normalerweise nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass keine Honigreste an der Brust oder an Hilfsmitteln zurückbleiben.
Was tun, wenn das Baby versehentlich Honig bekommen hat?
Eine einmalige kleine Menge bedeutet nicht automatisch, dass das Kind erkrankt. Trotzdem sollte ein Baby unter zwölf Monaten nach direktem Honigkontakt ärztlich oder über den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst beraten werden. Besonders bei sehr jungen Säuglingen würde ich nicht abwarten, wenn die aufgenommene Menge unklar ist.
In den folgenden Tagen sollte man auf ungewöhnliche Veränderungen achten. Mögliche Warnzeichen sind Verstopfung, Trink- oder Schluckschwierigkeiten, eine auffällige Muskelschwäche, wenig Mimik oder Atemprobleme. Bei Atemnot, deutlicher Teilnahmslosigkeit oder ausgeprägten Schluckstörungen gilt sofort der Notruf 112.
Bitte nicht versuchen, Erbrechen auszulösen oder das Kind mit zusätzlichen Getränken zu versorgen. Bei einem tatsächlichen Verdacht ist eine schnelle medizinische Einschätzung wichtiger als Hausmittel. Der Säuglingsbotulismus ist in Deutschland sehr selten, aber die möglichen Folgen sind ernst.
Kann Honig in der Stillzeit bei Erkältung helfen?
Bei Halskratzen kann ein warmer Tee mit etwas Honig angenehm sein. Ich würde die Wirkung aber realistisch einordnen: Honig kann den Hals kurzfristig beruhigen, heilt jedoch keine Infektion und senkt nicht automatisch Fieber oder beseitigt die Ursache einer Erkältung.
Für die Mutter ist Honig in diesem Zusammenhang erlaubt. Das Getränk sollte angenehm warm und nicht zu heiß sein. Bei starkem Husten, hohem Fieber, Atemnot oder Beschwerden, die sich verschlimmern, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden, unabhängig davon, ob gestillt wird.
Auch bei Allergien ist kein pauschaler Verzicht nötig. Reagiert die Mutter selbst auf Honig, sollte sie ihn natürlich meiden. Eine vorsorgliche Ausschlussdiät, nur weil das Baby gelegentlich unruhig ist, bringt dagegen meist wenig und kann die Ernährung unnötig einschränken.
Die einfache Regel für den Familienalltag
Für mich lässt sich das Thema auf eine klare Alltagshilfe herunterbrechen: Die Mutter darf Honig essen, das Baby bekommt im ersten Lebensjahr keinen reinen Honig. Stillen muss nach dem Honigverzehr nicht pausieren, und die Muttermilch muss nicht entsorgt werden.
Am sichersten ist es, Honiggläser, benutzte Löffel und klebrige Lebensmittelreste außerhalb der Reichweite des Babys aufzubewahren. Sobald das Kind zwölf Monate alt ist, entfällt die spezielle Botulismus-Warnung, dennoch bleibt Honig wegen seines hohen Zuckergehalts eine Süßigkeit und sollte nur in kleinen Mengen auf dem Speiseplan stehen.