Ob für einen Termin, den Wiedereinstieg in den Beruf oder eine vorübergehende Trennung vom Baby: Muttermilch abzupumpen kann im Alltag viel Freiheit schaffen. Entscheidend sind ein passender Trichter, eine angenehme Technik und die richtige Kühlung. Ich zeige Ihnen, wie das Abpumpen Schritt für Schritt gelingt, welche Pumpe zu Ihnen passt und worauf Sie bei Schmerzen, kleinen Mengen und der Aufbewahrung achten sollten.
Mit der richtigen Technik wird das Abpumpen deutlich entspannter
- Hygiene: Hände gründlich waschen, die Brust aber nicht extra mit Seife reinigen.
- Trichter: Eine passende Größe verhindert Schmerzen und verbessert den Milchfluss.
- Technik: Mit geringem Vakuum beginnen und die Stärke nur so weit erhöhen, wie es angenehm bleibt.
- Aufbewahrung: Frische Milch bei 4 bis 6 °C bis zu 4 Tage im hinteren Kühlschrankbereich lagern.
- Wichtig: Die abgepumpte Menge zeigt nicht zuverlässig, wie viel Milch Ihr Baby tatsächlich bekommt.

Milch abpumpen ohne Schmerzen und unnötigen Druck
Ich empfehle, nicht sofort möglichst viel Milch gewinnen zu wollen. Der Körper braucht oft einige Versuche, bis sich der Milchspendereflex auch durch eine Pumpe zuverlässig auslösen lässt. Schmerz ist dabei kein Zeichen für besonders effektives Pumpen, sondern meist ein Hinweis auf zu starken Sog, eine falsche Position oder einen ungeeigneten Trichter.
Schritt für Schritt mit der Milchpumpe
- Hände waschen: Reinigen Sie Hände und Fingernägel mit Wasser und Seife. Die Brustwarzen müssen nicht speziell gewaschen werden.
- Ruhe schaffen: Setzen Sie sich bequem hin, stellen Sie ein Getränk bereit und nehmen Sie sich Zeit. Ein Foto oder der Geruch des Babys kann den Milchspendereflex unterstützen.
- Brust vorbereiten: Eine kurze, sanfte Massage oder ein warmes Tuch kann angenehm sein. Starkes Reiben und kräftiges Kneten ist nicht nötig.
- Trichter ansetzen: Die Brustwarze sollte mittig im Tunnel liegen und sich während des Pumpens frei bewegen können.
- Langsam starten: Beginnen Sie mit niedriger Saugstärke und höherer Frequenz. Sobald die Milch fließt, können Sie die Frequenz reduzieren und das Vakuum vorsichtig erhöhen.
- Beide Seiten nutzen: Wenn Sie häufig abpumpen, kann eine Doppelmilchpumpe Zeit sparen. Sie ermöglicht es, beide Brüste gleichzeitig zu stimulieren.
Wenn kaum Milch fließt, erhöhen Sie nicht automatisch den Sog. Häufig helfen eine bequemere Sitzposition, ein Blick auf das Baby oder eine kurze Pause mehr als zusätzliche Kraft. Der Milchfluss darf in Wellen kommen und muss nicht während der gesamten Sitzung gleich stark bleiben.
Muttermilch von Hand gewinnen
Das Ausstreichen ist besonders praktisch, wenn Sie nur eine kleine Menge benötigen, unterwegs sind oder keine Pumpe zur Hand haben. Formen Sie Daumen sowie Zeige- und Mittelfinger zu einem C und platzieren Sie sie etwa 2 bis 3 Zentimeter hinter der Brustwarze.
Drücken Sie die Finger zunächst sanft in Richtung Brustkorb, führen Sie sie dann zusammen und lösen Sie den Druck wieder. Die Finger sollten dabei nicht über die Haut rutschen. Setzen Sie den C-Griff anschließend rund um die Brust neu an, damit verschiedene Milchgänge erreicht werden. Am besten lasse ich mir diese Technik einmal von einer Hebamme oder Stillberaterin zeigen, denn kleine Korrekturen machen oft einen großen Unterschied.
Welche Methode passt zu Ihrem Alltag
Es gibt nicht die eine beste Pumpe. Entscheidend ist, wie oft Sie Milch gewinnen möchten, ob Sie unterwegs sind und ob die Milchmenge aufgebaut werden soll. Für gelegentliche Situationen reicht meist eine einfache Lösung, während bei täglichem Pumpen Komfort und Zeitersparnis wichtiger werden.
| Methode | Geeignet für | Vorteile | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Handausstreichen | Kleine Mengen, unterwegs, empfindliche Brust | Keine Anschaffung, leise, jederzeit möglich | Erfordert Übung und kann länger dauern |
| Handpumpe | Gelegentliches Abpumpen | Leise, stromunabhängig, meist preiswert | Bei häufigem Gebrauch körperlich anstrengender |
| Elektrische Einzelpumpe | Regelmäßiges Abpumpen | Weniger Handarbeit, Saugstärke einstellbar | Strom oder Akku nötig |
| Elektrische Doppelpumpe | Häufiges Abpumpen oder Aufbau der Milchbildung | Spart Zeit und stimuliert beide Brüste gleichzeitig | Teurer und weniger unauffällig unterwegs |
Elektrische Milchpumpen können in Deutschland häufig über Apotheken, Sanitätshäuser oder Verleihstellen ausgeliehen werden. Wenn Mutter oder Baby krank sind, kann die Krankenkasse die Kosten bei entsprechender ärztlicher Verordnung übernehmen. Fragen Sie vorab bei der Krankenkasse nach den konkreten Bedingungen, denn die Kostenübernahme hängt von der medizinischen Indikation und dem Rezept ab.
Der Trichter ist wichtiger als viele Zusatzfunktionen
Ein zu kleiner Trichter kann die Brustwarze wund reiben, ein zu großer arbeitet oft ineffektiv. Die Brustwarze sollte nicht an den Seiten scheuern und möglichst wenig Warzenhof in den Tunnel gezogen werden. Schmerzen, weiß verfärbte Brustwarzen oder deutliche Schwellungen nach dem Pumpen sprechen dafür, die Größe und die Position überprüfen zu lassen.
Wie oft sollten Sie abpumpen und welche Menge ist normal
Die passende Häufigkeit hängt davon ab, ob Sie eine Mahlzeit ersetzen, einen kleinen Vorrat anlegen oder die Milchbildung anregen möchten. Soll eine Stillmahlzeit regelmäßig durch abgepumpte Milch ersetzt werden, ist es sinnvoll, ungefähr zu dieser Zeit zu pumpen. So erhält die Brust weiterhin das Signal, Milch zu bilden.
Für den Wiedereinstieg in den Beruf können Sie etwa ein bis zwei Wochen vorher ein- bis zweimal täglich üben. Das gibt Ihnen Zeit, sich an die Pumpe zu gewöhnen, ohne dass sofort ein großer Vorrat entstehen muss. Wenn Sie während der Arbeitszeit nicht stillen können, hilft bei vielen Stillenden ein Rhythmus von ungefähr drei bis vier Stunden, wobei Alter und Trinkverhalten des Babys berücksichtigt werden müssen.
Wie viel bei einer Sitzung gewonnen wird, kann stark schwanken. Morgens, nach einer längeren Pause oder nach dem Stillen kann die Menge ganz anders ausfallen als am Nachmittag. Die Pumpmenge ist kein zuverlässiger Test für die Milchproduktion, weil viele Babys effektiver trinken als eine Pumpe.
Frieren Sie lieber mehrere kleine Portionen ein, zum Beispiel 50 bis 100 Milliliter, statt einen großen Beutel zu füllen. So bleibt weniger übrig, wenn Ihr Baby gerade nur wenig trinken möchte. Die tatsächlich benötigte Menge finden Sie am besten gemeinsam mit der Betreuungsperson durch Ausprobieren heraus.
Muttermilch sicher kühlen, einfrieren und erwärmen
Füllen Sie die Milch möglichst direkt in das Gefäß, in dem sie aufbewahrt werden soll. Beschriften Sie Flaschen oder Beutel mit Datum und Uhrzeit und kühlen Sie die Milch möglichst sofort. Für gesunde, eigene Babys gelten zu Hause folgende Richtwerte:
| Aufbewahrung | Richtwert | Praktischer Hinweis |
|---|---|---|
| Raumtemperatur 15 bis 25 °C | 6 bis 8 Stunden | Möglichst bald verfüttern und bei Wärme deutlich kürzer lagern |
| Raumtemperatur 25 bis 32 °C | Maximal 4 Stunden | Milch nicht in Sonne oder warmem Auto stehen lassen |
| Kühlschrank 4 bis 6 °C | Bis zu 4 Tage | Hinten im unteren bis mittleren Bereich lagern, nicht in der Tür |
| Kühltasche mit Kühlelementen | Bis zu 24 Stunden | Milch vorkühlen und die Kühlkette nicht unterbrechen |
| Gefrierschrank bei mindestens -18 °C | Empfohlen bis 6 Monate, akzeptabel bis 12 Monate | Kleine Portionen einfrieren und etwas Platz für die Ausdehnung lassen |
Zum Einfrieren eignen sich spezielle Muttermilchbeutel sowie geeignete Glas- oder Kunststoffflaschen. Normale Tiefkühlbeutel, Marmeladengläser und andere Haushaltsgefäße sind keine gute Wahl. Glasflaschen sollten etwa 2,5 Zentimeter Luft nach oben haben, weil sich die Milch beim Gefrieren ausdehnt.
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Auftauen und Erwärmen
Am schonendsten taut gefrorene Milch über etwa zwölf Stunden im Kühlschrank auf. Dort kann sie nach dem Auftauen noch bis zu zwei Tage aufbewahrt werden. Schneller geht es unter kaltem oder lauwarmem Wasser mit höchstens 37 °C. Dann sollte die Milch innerhalb von zwei Stunden verfüttert werden.
Eine Mikrowelle ist ungeeignet, weil die Milch ungleichmäßig heiß werden kann und sogenannte heiße Stellen entstehen. Erwärmen Sie die Flasche stattdessen im Wasserbad, unter warmem fließendem Wasser oder in einem geeigneten Flaschenwärmer. Schwenken Sie die Flasche sanft, damit sich abgesetztes Fett wieder verteilt, und schütteln Sie sie nicht kräftig.
Aufgetaute Milch darf nicht wieder eingefroren werden. Reste einer erwärmten Mahlzeit sollten spätestens nach zwei Stunden entsorgt werden, weil durch den Sauger Keime aus dem Mund des Babys in die Milch gelangen können.
Wenn das Abpumpen nicht klappt oder Beschwerden entstehen
Am Anfang kommen oft nur wenige Tropfen. Das bedeutet nicht automatisch, dass zu wenig Milch vorhanden ist. Prüfen Sie zuerst den Trichter, reduzieren Sie den Sog und gönnen Sie sich mehr Zeit. Auch eine Stillberaterin oder Hebamme kann erkennen, ob die Pumpe richtig sitzt und ob die Technik angepasst werden sollte.
Bei einer prallen Brust kann vorsichtiges Ausstreichen entlasten. Pumpen Sie jedoch nicht immer wieder große Mengen zusätzlich ab, wenn Sie lediglich Druck loswerden möchten. Zu viel zusätzliche Entleerung kann die Milchbildung weiter anregen und eine Überproduktion fördern.
Starke Schmerzen, eine gerötete oder heiße Stelle, zunehmende Schwellung, Fieber oder grippeähnliches Krankheitsgefühl sollten ärztlich abgeklärt werden. Wenn sich Beschwerden trotz Schonung und vorsichtiger Entleerung innerhalb von etwa 24 Stunden nicht bessern oder Sie sich deutlich schlechter fühlen, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Auch bei Medikamenten sollten Sie nicht eigenständig entscheiden, ob die Milch verworfen werden muss. Lassen Sie den konkreten Wirkstoff, die Dosierung und das Alter Ihres Babys ärztlich oder in der Apotheke prüfen. Bei Frühgeborenen oder kranken Babys gelten je nach Situation besondere Empfehlungen durch die Kinderklinik.
Ein kleiner Vorrat kann den Stillalltag spürbar erleichtern
Für die meisten Familien ist kein großer Gefrierschrankvorrat nötig. Ein paar kleine, beschriftete Portionen reichen oft aus, um einen Termin, den ersten Arbeitstag oder eine unerwartete Trennung zu überbrücken. Ich halte eine schmerzfreie Technik, passende Ausrüstung und eine sichere Kühlkette für deutlich wichtiger als die Frage, ob bei jeder Sitzung eine bestimmte Milliliterzahl erreicht wird.
Wenn Sie sich beim Abpumpen unsicher fühlen, holen Sie sich frühzeitig Unterstützung. Eine kurze praktische Anleitung durch Hebamme, Stillberaterin oder Fachpersonal in der Apotheke kann mehr bewirken als viele erfolglose Versuche allein.