Eine warme Tasse Tee gehört für viele Mütter fest zum Alltag mit Baby. Doch nicht jede Sorte ist in der Stillzeit gleich gut geeignet: Entscheidend sind Koffein, Kräutermischung, Trinkmenge und die Frage, ob ein Tee die Milchbildung beeinflussen kann. Ich zeige, welche Getränke sich im Alltag bewähren, warum klassische Stilltees neu bewertet werden und worauf du beim Einkauf achten solltest.
Mit diesen Grundregeln bleibt Tee in der Stillzeit unkompliziert
- Wasser, milde Früchte- und Kräutertees sind für den täglichen Wechsel meist eine gute Wahl.
- Fenchel und Anis sollten wegen des Inhaltsstoffs Estragol nicht regelmäßig und nicht in großen Mengen getrunken werden.
- Schwarzer, grüner und weißer Tee enthalten Koffein und gehören deshalb in Maßen in den Speiseplan.
- Salbei- und Pfefferminztee können die Milchbildung möglicherweise bremsen, besonders bei häufigem Konsum.
- Stilltees steigern die Milchmenge nicht zuverlässig. Häufiges und effektives Anlegen hat deutlich mehr Einfluss.

Welche Tees in der Stillzeit gut passen
Als einfache Orientierung empfehle ich ungesüßte, koffeinfreie Getränke, die du nicht jeden Tag ausschließlich in derselben Sorte trinkst. Leitungswasser und Mineralwasser bleiben die unkompliziertesten Durstlöscher. Ergänzend passen milde Früchtetees, Zitronenmelisse, Kamille oder ein gelegentlicher Rooibostee gut in den Alltag.
| Tee oder Getränk | Meine Einschätzung | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Früchtetee | Meist gut geeignet | Ungesüßt trinken und zwischen Sorten wechseln |
| Zitronenmelisse | Als milder Alltagstee geeignet | Keine hoch dosierten Extrakte mit dem Tee verwechseln |
| Kamille | Gelegentlich oder im Wechsel geeignet | Bei Korbblütlerallergie vorsichtig sein |
| Rooibos | Koffeinfrei und geschmacklich mild | Auch ihn nicht als einziges Getränk literweise trinken |
| Schwarzer oder grüner Tee | In kleinen Mengen möglich | Koffein aus allen Quellen mitrechnen |
Bei Kräuter- und Früchtetees geht es nicht darum, jede Tasse kritisch zu untersuchen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt vor allem Abwechslung, weil einzelne Tees mit unerwünschten Pflanzenstoffen wie Pyrrolizidinalkaloiden verunreinigt sein können. Eine einzelne Tasse ist deshalb normalerweise kein Grund zur Sorge, ein über Monate täglich getrunkener Kräutertee sollte aber nicht die gesamte Flüssigkeitszufuhr ausmachen.
Für die Trinkmenge kannst du dich am Durst orientieren. Als grobe Alltagshilfe werden in der Stillzeit etwa zwei Liter Flüssigkeit pro Tag genannt, wobei Wasser, Tee und andere Getränke zusammenzählen. Ich finde es praktischer, bei jedem Stillen ein Glas bereitzustellen, statt sich zu einer bestimmten Zahl von Teetassen zu zwingen.
Warum Fenchel und Anis nicht mehr automatisch zur ersten Wahl gehören
Der klassische Stilltee besteht häufig aus Fenchel, Anis und Kümmel. Traditionell wird diese Mischung mit einer besseren Verdauung und mehr Milch verbunden. Die Milchbildung lässt sich durch solche Tees jedoch wissenschaftlich nicht zuverlässig steigern, und aktuelle Sicherheitshinweise sprechen gegen einen regelmäßigen, hohen Konsum fenchelhaltiger Produkte.
Der Grund ist Estragol, ein natürlicher Bestandteil ätherischer Öle, der unter anderem in Fenchel und Anis vorkommt. Für eine dauerhaft unbedenkliche Aufnahmemenge lässt sich derzeit keine sichere Grenze festlegen. Deshalb rät die Verbraucherzentrale stillenden Frauen aktuell vorsichtshalber, auf Fencheltee zu verzichten.
Das bedeutet nicht, dass eine früher getrunkene Tasse automatisch dem Baby geschadet hat. Nach einem einzelnen Getränk besteht normalerweise kein Anlass für Panik oder eine Stillpause. Ich würde aber bei der täglichen Auswahl heute zu fenchel- und anisfreien Mischungen greifen, besonders wenn mehrere Tassen pro Tag getrunken werden.
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Was ist mit Kümmeltee
Kümmel wird oft gemeinsam mit Fenchel und Anis angeboten, ist aber nicht dasselbe wie eine fenchelhaltige Mischung. Ein reiner Kümmeltee kann gelegentlich eine Option sein, wenn du ihn gut verträgst. Bei starken Bauchbeschwerden oder dem Wunsch nach mehr Milch sollte er jedoch nicht als Behandlung verstanden werden.
Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich besonders bei Produkten mit der Bezeichnung Stilltee. Der Name allein sagt nichts über die aktuelle Bewertung der enthaltenen Pflanzen aus. Stehen Fenchel oder Anis weit vorne in der Zutatenliste, würde ich den Tee nicht als tägliches Hauptgetränk verwenden.
Wie viel Koffein schwarzer und grüner Tee verträgt
Schwarzer, grüner und weißer Tee enthalten Koffein, auch wenn die Menge je nach Sorte, Dosierung und Ziehzeit deutlich schwankt. Als grobe Orientierung liefert eine Tasse schwarzer Tee mit etwa 220 Millilitern rund 50 Milligramm Koffein. Ein Richtwert von bis zu etwa 200 Milligramm Koffein pro Tag aus allen Quellen ist für viele Stillende eine vernünftige Obergrenze.
In der Praxis entsprechen zwei bis drei Tassen Tee häufig einer moderaten Menge. Rechne dabei Kaffee, Cola, Kakao, Mate, Guarana und Energydrinks mit ein. Ein stark gezogener Tee kann deutlich mehr Koffein enthalten als ein schwacher Beuteltee, deshalb sind pauschale Zahlen immer nur Näherungswerte.
Du musst schwarzen oder grünen Tee nicht zwingend direkt nach dem Stillen trinken. Der Zeitpunkt ist weniger wichtig als die Gesamtmenge. Wenn dein Baby nach viel Koffein unruhiger schläft, ungewöhnlich reizbar wirkt oder schwerer zur Ruhe kommt, lohnt es sich, die Menge für einige Tage zu reduzieren und die Veränderung zu beobachten.
Bei einem sehr jungen, kranken oder zu früh geborenen Baby würde ich besonders zurückhaltend sein und die individuelle Situation mit Hebamme, Kinderarzt oder Stillberatung besprechen. Koffein wird von Neugeborenen langsamer abgebaut, sodass empfindliche Kinder stärker reagieren können.
Salbei und Pfefferminze können die Milchbildung beeinflussen
Salbei- und Pfefferminztee gelten traditionell als milchhemmend. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist begrenzt, die Beobachtung wird aber in der Stillberatung häufig berücksichtigt. Eine gelegentliche Tasse ist bei stabiler Milchbildung meist kein Grund zur Sorge, mehrere große Tassen täglich würde ich bei ohnehin knapper Milchmenge eher vermeiden.
Das gilt besonders für konzentrierte Produkte. Ätherische Öle, hoch dosierte Kapseln und stark angesetzte Heilpflanzen sind nicht mit einem normalen Teeaufguss gleichzusetzen. Während der Stillzeit würde ich solche Präparate nur nach Rücksprache mit einer medizinisch oder pharmazeutisch qualifizierten Person verwenden.
Wenn du Pfefferminze oder Salbei gern trinkst und ausreichend Milch vorhanden ist, musst du nicht automatisch darauf verzichten. Sinkt die Milchmenge nach einer deutlichen Änderung deiner Trinkgewohnheiten, kannst du die Sorte zunächst weglassen. Für die Milchbildung entscheidender sind jedoch häufiges Anlegen, ein guter Saugschluss und eine effektive Entleerung der Brust.
So wählst du einen passenden Tee im Supermarkt
Ich würde beim Einkauf keine komplizierte Liste verbotener Kräuter führen, sondern die Verpackung nach wenigen klaren Kriterien prüfen. Je kürzer und verständlicher die Zutatenliste, desto leichter lässt sich einschätzen, was du tatsächlich trinkst.
- Bevorzuge lose Sorten oder Teebeutel mit vollständiger Zutatenliste aus dem regulären Lebensmittel- oder Apothekenhandel.
- Vermeide Mischungen, deren Zusammensetzung nur allgemein als „Kräuterkomplex“ oder „für die Milchbildung“ beschrieben wird.
- Trinke Kräutertee im Wechsel mit Wasser und anderen geeigneten Getränken.
- Bereite den Tee mit sprudelnd kochendem Wasser zu und halte die angegebene Ziehzeit ein.
- Verwende keine selbst gesammelten Kräuter, wenn du die Pflanze nicht sicher bestimmen kannst.
- Sei bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Bockshornklee, Ginseng, Johanniskraut oder hoch dosierten Pflanzenextrakten besonders vorsichtig.
Bioqualität kann eine sinnvolle Wahl sein, ist aber keine automatische Garantie für jede Pflanzensicherheit. Auch Bio-Rohstoffe können natürliche Inhaltsstoffe enthalten, die bei regelmäßigem, hohem Konsum unerwünscht sind. Entscheidend bleiben die konkrete Zusammensetzung, die Menge und die Abwechslung.
Bei bekannten Allergien, chronischen Erkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte die Auswahl individueller erfolgen. Das gilt auch, wenn du einen Tee gezielt gegen Schlafprobleme, Verdauungsbeschwerden oder Milchmangel einsetzen möchtest. Ein kurzer Rat in der Apotheke oder bei der Stillberatung ist dann sinnvoller als ein Experiment mit mehreren Kräutern gleichzeitig.
Eine einfache Teeroutine, die im Stillalltag funktioniert
Für den Alltag reicht meist ein unkomplizierter Wechsel. Du kannst morgens Wasser oder einen milden Früchtetee trinken, später eine Tasse Zitronenmelisse oder Kamille wählen und schwarzen oder grünen Tee bewusst als Genussgetränk einplanen. Fenchel-Anis-Mischungen würde ich nicht als tägliche Standardlösung verwenden.
Wenn du bereits regelmäßig Stilltee getrunken hast, musst du nicht rückwirkend jede Tasse bewerten. Stelle die Mischung einfach nach und nach um und beobachte, wie es dir und deinem Baby geht. Der beste Tee in der Stillzeit ist der, den du gut verträgst, in moderater Menge trinkst und nicht als Ersatz für eine ausgewogene Flüssigkeitszufuhr oder eine Stillberatung brauchst.